Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde
Ich freue mich, ein Jahr nach meinem Wein-Début, zwei neue Weisswein-Projekte 2022 vorzustellen. Einerseits handelt es sich um einen reinsortigen Kerner, eine rieslingähnliche Neuzüchtung aus dem Jahre 1929. Andererseits möchte ich euch die Cuvée Blanche nahelegen, die aus 2/3 Kerner und 1/3 Pinot Noir besteht. Beide Weine sind trocken ausgebaut und wunderbare Essensbegleiter für die reichhaltige Küche.
Nun wünsche ich euch viel Vergnügen bei der Lektüre.
v.l.n.r.: Kerner 2022 «Rain», Kerner Pinot Noir 2022 Cuvée Blanche
«KERNER 2022 RAIN», DER VIELSCHICHTIGE WEISSE
LAGE
Der östlichste Ausläufer des Faltenjuras, der Lägern-Schichtkamm, erreicht von Westen her den Kanton Zürich und ist eine regionale Besonderheit. Unterhalb der kalkschichtgeprägten Landschaft befindet
sich die Reb-Parzelle mit eigenem Flurnamen «Rain» in Otelfingen im Zürcher Unterland. Die südexponierte Hanglage, die sich auf ca. 470 m.ü.M. befindet, weist lehm- bis tonig lehm- sowie skelet- und
karbonatreiche Böden auf und wird im Norden durch den Waldrand «Fältschenmaas» begrenzt. Der kühle Wald mit dem herabfallenden, nächtlichen
Kaltluftstrom von der Lägern begünstigt die Auskühlung der Lage. Die erhöhte Temperatur-Amplitude fördert die Aromenausbildung und ergibt ein ausgezeichnetes Mikroklima für den Weinbau.
Die Lage «Rain» in Otelfingen im Zürcher Unterland mit dem kühlen Waldrand «Fältschenmaas» im Norden.
VINIFIKATION
Nach schonender Handlese wurden die gesunden Trauben
entrappt und gleich gepresst, damit die von Natur aus stark ausgeprägten
Phenole der Kerner-Traubenhaut nicht in den Most gelangen. Um die Hefe ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, wird das Vorklären durch natürliches absetzten der Feststoffe bevorzugt. Behutsam wurde der Most ins neue Schweizer Eichenholz-Barrique à 228 Liter umgezogen und die
geführte Spontangärung eingeleitet. Der
biologische Säureabbau und anschliessende 8-monatige Ausbau auf der
Vollhefe gibt dem Wein einen wunderbaren
Schmelz. Nach sanftem Abzug durch die Gravitation und Abfüllung, kommt der Wein «unfiltriert» auf die Flasche.
Das neue Schweizer Eichenholz-Barrique von der Küferei Suppiger, Küssnacht am Rigi.
CHARAKTER
Transparent, leuchtendes Strohgelb mit goldenen Reflexen; klare, tiefe und komplexe Nase. Primär gelbfruchtig mit reifer Birne, Quitte, zitrische- und auch
vegetabile Noten. Anklänge von Bienenwachs gepaart mit würzigen Aspekten. Schöne Hefenoten mit eleganten Röstaromen bereichern den Riechkolben; im Gaumen schöne
Dichte. Wieder gelbfruchtig, Blütenhonig; einem guten Säuregerüst, feinen
Gerbstoffen, salzigen und ausgewogenem langen Abgang. Ein Charakterkopf mit Lagerpotenzial. 13.1 Vol.%. Bewertet am: 01.10.2023
Obwohl der Kerner in der klassischen Lehre nicht zu den Aromasorten gezählt wird, ist die Verwandtschaft zum
Rheinriesling im tiefen pH-Gehalt, der Säurestruktur und dem attraktiven Bouquet gut erkennbar.
«KERNER
PINOT NOIR 2022 CUVÉE BLANCHE», DER KRAFTVOLLE WEISSE
LAGE
Zu dem Kerner aus Otelfingen im Zürcher Unterland kommen zwei unterschiedliche Lagen Pinot Noir
(Blanc de Noir) hinzu. Die Lage Teufen-Freienstein im Zürcher Unterland kennt ihr aus meinem letztjährigen Newsletter schon sehr gut. Eine neue Lage kommt aus der Gemeinde Will ZH mit einer ähnlicher Landschaftstypologie wie in Otelfingen jedoch unterschiedlicher Bodenstruktur und klimatischen Bedingungen. Wie ihr unweigerlich entnehmen könnt, habe ich im Jahr 2022 zwei separate Pinot Noir Lagenweine gekeltert, die sich noch im Ausbau befinden und prächtig weiterentwickeln. Eine detailliertere Beschreibung werde ich euch im nächsten «Pinot Noir» Newsletter 2024 nachreichen.
Rebberg in Otelfingen im Zürcher Unterland mit den Lägern-Ausläufern im Hintergrund.
VINIFIKATION
Zum 2/3 Kerner gesellen sich 1/3 Pinot Noir
(Saignée). Gleiches behutsames Verfahren wie beim reinsortigen Kerner, jedoch im Stahltank vergoren, um der Frucht noch etwas mehr Raum zu bieten. Nach mehrmonatigem Ausbau auf der Vollhefe, sanftem Abzug und anschliessender Abfüllung, kommt der Wein «filtriert» zur Herbstsaison 2023 in den Verkauf.
Papierchromatografie (PC): Zur Abschätzung des Äpfel- / Milchsäure-Verhältnisses während des biologischen Säureabbaus (BSA).
CHARAKTER
Transparent, helles goldgelb mit leicht rötlichen Reflexen; zu den gelben Früchten gesellen sich rotbeerige Früchte, rote Johannesbeere, Kirsche. Dazu kommen präsente Aromen von Mandeln und Lakritz. Deutlich herbe Nase; im Gaumen
füllig und dicht. Wieder rote Früchte, Wassermelone; mit schönem Säurezug, passendem
Grip und betörendem,
druckvollem langen Abgang. Die Einflüsse des Pinot Noirs sind deutlich erkennbar.
Ein eigenständiger,
körperreicher Wein mit beindruckender Länge und sehr gutem Lagerpotential. 13.7 Vol.%. Bewertet am: 01.10.2023